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  • Städtefreundschaft Frankfurt – Kobanê e.V. c/o Club Voltaire Kleine Hochstraße 5 60313 Frankfurt am Main
  • Spendenkonto: Frankfurter Volksbank IBAN DE66 5019 0000 6200 9082 42
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Wiederaufbau

Entwicklung und Stand des Wiederaufbaus von Kobanê

Seit Ende Januar 2015 ist die Stadt Kobanê vom selbsternannten „Islamischen Staat“ (IS) befreit. Der 26. Januar wird seitdem als Tag der Befreiung begangen. Ca. 80 Prozent der Stadt sind zerstört. Die Toten wurden bestattet und die Minen, die der IS hinterlassen hat, geräumt. Der Schutt und die kaputten Fahrzeuge werden aus der Stadt gebracht. Das dazu notwendige Gerät, wie zB Baumaschinen, stellte bis zur Schließung der türkisch-syrischen Grenze die Stadtverwaltung von Diyarbakir/Amed (HDP regiert) zur Verfügung. Mit dem ersten Tag des Wiederaufbaus müssen gleichzeitig die zurückkehrenden Bewohner*innen mit Lebensmitteln, Zelten und medizinischer Hilfe versorgt werden. Ein Teil der Geflüchteten, diejenigen, die es sich leisten können oder die Verwandte in Europa oder Übersee haben, fliehen dorthin weiter.

Das Wiederaufbaukomitee bildet sich und beginnt mit der Schadensaufnahme, Statistik, Prüfung der Statik von Gebäuden und der Einteilung in diejenigen, welche repariert werden können und diejenigen, welche abgerissen werden müssen. Die drei politischen Eckpunkte der Rojava-Revolution: Basisdemokratie, Frauenbefreiung und Ökologie sollen beim Aufbau der Stadt von Anfang an maßgebend sein. Es wird diskutiert einen zerstörten Stadtteil/Straßenzug als Mahnmal zu erhalten. Im Frühjahr/Sommer 2015 kommt es zu zwei Geber- oder Wiederaufbaukonferenzen, deren Zusagen aber nicht oder kaum eingehalten werden.

Das Wiederaufbaukomitee steht vor der Bewältigung von drei Aufgaben:

– dem Wiederaufbau der Infrastruktur

– dem Bau von Wohnhäusern

– dem Bau von städtischen Gebäuden/Gebäuden des Gemeinwesens (z.B Schulen, Großbäckereien, Gesundheitseinrichtungen etc.)

Dies alles soll mit möglichst großer Beteiligung der Bevölkerung passieren. Entwürfe für öffentliche Gebäude, Märkte und Betriebe werden in den Selbstverwaltungsstrukturen diskutiert. Aktuell gibt es 28 Kommunen in Kobanê (eine Kommune umfasst ca. 20 Familien eines Stadtviertels). Die Kommunen ermitteln den Bedarf an Wohnraum und wissen um die Bedürftigkeit und die finanziellen Möglichkeiten der Familien. Das Baumaterial wird billig bereitgestellt, damit die Familien in Eigenleistung bauen können. Hilfe bei den Entwürfen und der Planung kommt vom Reconstruction Board.

Gleichzeitig übernimmt der Kanton Kobanê die Verantwortung für die Versorgung und Unterbringung armer Familien, von Witwen und Waisen. Es werden Wohnraum und Arbeitsplätze geschaffen. Bis Mitte 2016 wurden zu diesem Zweck 800 Wohneinheiten geschaffen. Baumaterialien wie Betonsteine werden oft privat hergestellt. Es gibt hierfür aber auch eine Kooperative und eine private Fabrik im Kanton Cizîrê. In Kobanê selbst gibt es eine Zementfabrik. Der Bedarf an Eisen für die Armierung kann nur notdürftig durch das Einschmelzen von Alteisen gedeckt werden. Mitte 2016 waren noch 50 % der Stadt zerstört, 70 % der Straßen bereits repariert. Mit der Einnahme des Staudammes zwischen Manbidsch und Kobanê ist die Stromversorgung im Stadtgebiet und im Kanton Kobanê nahezu durchgehend gewährleistet. Dies ist wichtig, vor allem auch im Sommer, wenn die Temperaturen auf über bis zu 40 Grad steigen.

Der Wiederaufbau der Stadt wird auch unter ökologischen Gesichtspunkten geplant. So werden ua. Bäume gepflanzt. Nordsyrien/Rojava war (und ist) die Kornkammer Syriens. Die intensive Bewirtschaftung mit Weizenmonokultur sollte nicht durch Bäume beeinträchtigt werden. Unter dem Assad-Regime bedurfte es einer Genehmigung zum Pflanzen von Bäumen, die aber faktisch nie erteilt wurde. Bäume gab es daher eigentlich nur noch in innerstädtischen Parks. Aktuell gibt es ein regelrechtes Aufforstungsprogramm in den Kantonen.

In der Stadt Kobanê sind 13 Schulen wiederaufgebaut in denen 3.500 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden, weitere 15 Schulen befinden sich im Bau. Im Kanton sind von 270 zerstörten Schulen 111 wiedereröffnet. Zur Gesundheitsversorgung gibt es drei Krankenhäuser, eins wird von Ärzte ohne Grenzen betrieben. Das ICOR- Gesundheitszentrum wird als Geburtsklinik genutzt. Zwei weitere Krankenhäuser befinden sich im Bau.

Ziel ist der Aufbau eines kostenlosen Bildungs -und Gesundheitssystems.

Viele Flüchtlinge sind inzwischen zurückgekehrt, dazu kommen Bürgerkriegsflüchtlinge aus anderen Teilen Nordsyriens. Diejenigen, die in Kobanê bleiben wollen, sollen in Häusern untergebracht werden. Die Geflüchteten, die wieder in ihre Heimatstädte und Regionen zurückkehren wollen, leben im Moment aus der Notwendigkeit heraus noch in Zelten. Mitte 2016 waren ca. 100.000 Flüchtlinge im Kanton Kobanê. Aufgrund des Krieges in der Region verändert sich diese Zahl aber ständig. Durch den Einmarsch der Türkei und islamistischer Hilfstruppen in die Shebah-Region und die nachfolgenden Vertreibungen gibt es viele neue Flüchtlinge in Afrin und Kobanê.

An der Grenze zu Nordsyrien baut die Türkei eine durchgehende Mauer aus 4 Meter hohen Betonelementen. Der Bau erfolgt auf dem Gebiet der Demokratischen Föderation Nordsyrien und Proteste dagegen werden beschossen. Es gab bereits Tote. Neben der Gefahr von IS-Attentaten, die in der Vergangenheit viele Menschen das Leben gekostet haben, gibt es einen fortdauernden Krieg niederer Intensität durch die Türkei. Menschen werden in Grenznähe erschossen, es kommt zu Artilleriebeschuss und im Frühjahr 2017 auch zu Luftangriffen bei Manbidsch.

Es gilt weiter das Embargo für Personen und Güter durch die Türkei und das Barzani-Regime im Nord-Irak. Dadurch fehlt es an Medikamenten, Baumaterial, Ersatzteilen für Maschinen, Landwirtschaftsfahrzeugen etc. Gleichwohl werden bei der Offensive gegen den IS in Rakka die befreiten Gebiete auch aus Kobanê versorgt, vor allem mit Lebensmitteln.