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  • Städtefreundschaft Frankfurt – Kobanê e.V. c/o Club Voltaire Kleine Hochstraße 5 60313 Frankfurt am Main
  • Spendenkonto: Frankfurter Volksbank IBAN DE66 5019 0000 6200 9082 42
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Solidarität mit Kobani – Junge Welt

https://www.jungewelt.de/m/artikel/296739.solidarit%C3%A4t-mit-kobani.html

Junge Welt, 05.11.2016

Solidarität mit Kobani

Frankfurter Initiative sammelt Geld für Wiederaufbau der kurdischen Stadt

Von Gitta Düperthal

Die Lage in Kobani ist weiterhin prekär, die Stadt umzingelt: Vom Norden kontrolliert die türkische Armee die Grenze, hat eine meterhohe Mauer errichtet, im Süden stehen der IS und die Regierungstruppen. Und im Osten hält der dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefällige Kurdenführer Masud Barzani Grenzübergänge zum Nordirak geschlossen. Rund 170 Menschen hatten sich am Donnerstag in Frankfurt am Main versammelt, um derartige Nachrichten aus der kurdischen Stadt in Nordsyrien zu erfahren, aus der Anfang 2015 der »Islamische Staat« (IS) vertrieben worden war. Abdi Qader, Lehrer und Stadtrat in Kobani, hatte es geschafft, zur Veranstaltung nach Frankfurt zu kommen. Ulrich Wilken (Die Linke) erklärte, wegen des Embargos habe er seine ganze Autorität als Vizepräsident des hessischen Landtags aufwenden müssen, um zumindest ihn auf diplomatischem Weg durchzuschleusen – »vorbei an einer Schlange von etwa 30.000 Menschen im Libanon, die dort auf ein Visum warteten«. Eine weitere Vertreterin der selbstverwalteten Stadt sei in Syrien an der Ausreise gehindert worden. Qader schilderte den mühsamen Aufbau des Bildungswesens: Nachdem die Dschihadisten Kobani 2014 zu 80 Prozent in Trümmer gelegt hatten, habe es nur 300 Schüler gegeben, jetzt seien es schon wieder 3.500. In etwa 400 Dörfern der Region um Kobani seien 270 meist aus Lehm erbaute Schulen weitgehend zerstört worden. Trotz ausbleibender Hilfe aus dem Ausland habe es die Bevölkerung geschafft, 111 wieder zu eröffnen. »Denkt ihr nicht, dass es möglich ist, uns dabei zu unterstützen?«, fragte Qader. »Wir müssen die Stadt mit internationalen Linken, Sozialisten und Demokraten aus eigener Kraft wieder aufbauen«, so der aus Brüssel angereiste Vertreter der Partei der Demokratischen Union (PYD) Zuhat Kobani. Auf europäische Eliten sei nicht zu zählen. Sie hätten offenbar Angst, »eine funktionierende Selbstverwaltung demokratischer Kräfte dort könne sie ihre eigene Herrschaft kosten«.

Optimistisch zeigten sich die seit Anfang 2016 aktive Frankfurter Initiative, kürzlich zum Verein »Städtefreundschaft Kobane – Frankfurt in Gründung« avanciert, die die Veranstaltung organisiert hatte, sowie rund 300 Demonstranten, die am Dienstag den »Internationalen Kobani-Tag« begingen. Die Initiative hat knapp 36.000 Euro für den Wiederaufbau der Stadt, insbesondere für ein neues Waisenhaus, gesammelt. Die Demonstranten wiederum hatten bei der Kundgebung am Frankfurter Paulsplatz gegen starke Polizeipräsenz dem Verbot getrotzt, Embleme der Befreier Kobanis hochzuhalten. Nach der per Liveschaltung übertragenen Rede der PYD-Kovorsitzenden der Stadt, Asya Abdullah, war plötzlich ein Meer von Fahnen der als PKK-nah eingestuften Organisation und deren militärischer Arme – Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG und YPJ – zu sehen gewesen.

Meike Nack von der »Stiftung der freien Frauen in Rojava« zeigte auf einer Leinwand Fotos des mittlerweile bereits bis zum dritten Stock erbauten Waisenhauses. Daneben soll eine Schule entstehen, um Kinder, die hatten mitansehen müssen, wie der IS ihre Eltern tötete, mit Musik-, Mal- und Theaterkursen auf andere Gedanken zu bringen. Gewerkschafter und Akademiker haben gespendet, etwa der scheidende DGB-Vorsitzende von Frankfurt und Region Rhein-Main, Harald Fiedler, und der Wiesbadener Sozialwissenschaftler Gerhard Trabert (Hochschule RheinMain). Der Arzt Michael Wilk hatte wiederholt das Gesundheitswesen vor Ort unterstützt – etwa trotz aller Widerstände Teile eines Dialysegeräts über die Grenze geschafft –, ebenso Ärzte ohne Grenzen, Roter Halbmond und medico international. Die Stadtoberhäupter fielen derweil durch Abwesenheit auf: Der Frankfurter Stadtrat Mike Josef (SPD) hielt das ursprünglich zugesagte Grußwort nicht. Als »beschämend« bezeichnete Wilk die Ignoranz europäischer Politiker: »Obgleich die jungen Kämpfer dort für uns alle ihren Kopf hinhalten und den IS bekämpfen«, sei von staatlicher Seite »nicht mal ein Sack Zement oder ein Stahlbauträger« zum Wiederaufbau geliefert worden, sagte er wütend.