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  • Städtefreundschaft Frankfurt – Kobanê e.V. c/o Club Voltaire Kleine Hochstraße 5 60313 Frankfurt am Main
  • Spendenkonto: Frankfurter Volksbank IBAN DE66 5019 0000 6200 9082 42
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Für Wiederaufbau, gegen Verbote – Junge Welt

https://www.jungewelt.de/2016/11-26/070.php

Junge Welt, 26.11.2016

Für Wiederaufbau, gegen Verbote

Proteste am Wochenende: Warum Frankfurter Aktivisten nicht nur für ein Waisenhaus sammeln, sondern auch für die Legalisierung der PKK eintreten

Von Gitta Düperthal

Auch in Hamburg (hier im Februar 2016) wird häufig gegen das PKK-Verbot und die Inhaftierung kurdischer Aktivisten protestiert

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa-Bildfunk

Die Solidarität mit der Stadt Kobani und der umliegenden Selbstverwaltungsregion Rojava in Nordsyrien ist hierzulande in Gewerkschaften und der Friedensbewegung angekommen. Jedenfalls deutet in Frankfurt am Main vieles darauf hin. Das Thema sei in diesen Bereichen gesetzt, meint Lothar Reininger, Gründungsmitglied des Vereins »Städtefreundschaft Frankfurt-Kobani«. Die Mitglieder waren sich beim Treffen am Donnerstag einig, dass es noch Zeit brauchen werde, das Ziel einer offiziellen Städtepartnerschaft zu verwirklichen, nachdem am 15. November Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) die Aktiven empfangen hatte.

Gelungen sei es aber, eine spannende gesellschaftliche Debatte zu initiieren, so Reininger. Eine erfolgreiche Spendenkampagne habe mehr als 43.300 Euro für ein Waisenhaus eingebracht. Funktionäre und Mitglieder hätten teils hohe Beträge gezahlt, um Kinder aus der Region zu unterstützen, deren Eltern von der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) getötet wurden – und den Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Stadt zu fördern. Zudem sei ein generationsübergreifender Austausch vor allem im Bildungsbereich in Gang. Angesichts geschlossener Grenzübergänge von Syrien zur Türkei und zum Irak war es einzig dem amtierenden Stadtrat und Lehrer Abdi Quader gelungen, nach Deutschland zu kommen – eingeladen hatte die Frankfurter Gruppe eine ganze Delegation.

Meike Nack von der »Stiftung der freien Frauen in Rojava«, die mit ihm Kinder- und Jugendeinrichtungen besuchte, berichtete von großer Anteilnahme. Besonders die Kinder hätten viel Empathie bewiesen – etwa gefragt, wer sich in Kobani um die Kinder kümmere, wenn es ihre Eltern nicht könnten, weil dort Krieg herrscht. Im Mittelpunkt der Debatten des Gastes aus Kobani mit Schülern und Studenten standen die Philosophie der alternativen Gesellschaft Kobanis, die Ideen der Selbstverwaltung und der Gleichberechtigung von Ethnien, Religionen, Frauen und Männern. Gesprächspartner waren Studierende des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität sowie Darmstädter Studenten und Oberstufenschüler von zwei Oldenburger Schulen.

Der Austausch habe unterschiedliche Herangehensweisen verdeutlicht: Etwa werde in Kobani »nicht wie in Deutschland herumgedoktert, damit die Gesellschaft so bleibt, wie sie ist, und jeder sich ihr anpasst«, so Gudrun Wörsdörfer, eine weitere Mitbegründerin des Vereins. Ziel sei dort, die Gesellschaft entsprechend den Bedürfnissen der in ihr lebenden Menschen zu verändern. An Schulen seien keine Putzfrauen angestellt, Lehrer und Schüler sorgten gemeinschaftlich für Sauberkeit. Bei schlechten Prüfungsergebnissen gebe es kein »Durchfallen«, sondern »nachträgliches Aufarbeiten von Defiziten«. Das habe der Lehrer berichtet. Auf Initiative der Linksfraktion war die aktuelle Lage in Kobani auch im Hessischen Landtag diskutiert worden – unter anderem mit Sipan Ibrahim, dem Vertreter Rojavas in Berlin. Auf die Frage von SPD-, Grünen- und Linken-Abgeordneten, welche Unterstützung wichtig sei, war dessen Antwort, deutsche Politiker könnten sich mit Hilfsgütern in der Tasche auf den Weg nach Rojava machen, um endlich eine Grenzöffnung zur Autonomen Region Kurdistan im Nordirak und ein Ende der Blockade zu erreichen, unter der die Menschen dort leiden.

Ein weiteres Thema des Vereinstreffens im Frankfurter »Club Voltaire« war aber notgedrungen auch staatliche Repression in Deutschland – etwa durch das Verbot der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und das wiederholte Vorgehen der Frankfurter Polizei gegen Demonstranten, die Symbole und Fahnen von Organisationen tragen, die der Partei nahestehen. Im Verein »Städtefreundschaft Frankfurt-Kobani« wirken Vertreter deutscher und kurdischer Organisationen zusammen: Als Mitglieder des beteiligten kurdischen Studierendenverbands YXK berichteten, dass ihnen just an diesem Donnerstag das Präsidium der Hochschule »Frankfurt University of Applied Sciences« eine Filmveranstaltung in den Räumen untersagt habe, da sie vom Verfassungsschutz beobachtet würden, reagierte Reininger empört. »Es kann nicht sein, dass sich die Politik des autoritären türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in einer demokratischen Stadt wie Frankfurt fortsetzt.« Dies sei geradezu ein Geschenk an ihn. Einer der kurdischen Vereinsmitbegründer wies auf einen eklatanten Widerspruch hin: Die Bundeswehr räume in Syrien mit in Deutschland als PKK-nah gewerteten Organisationen wie den Frauen- und Volksverteidigungseinheiten YPJ und YPG gemeinsam Minen weg – etwa in der syrischen Stadt Manbidsch – und lobe deren Kampfkraft gegen den IS. Hierzulande würden aber Sympathisanten dieses Kampfes vom Verfassungsschutz beobachtet – und deshalb gar Veranstaltungen untersagt. Mitglieder des Verbands YXK und anderer Organisationen fordern deshalb dazu auf, sich an diesem Samstag bundesweit Demonstrationen gegen das PKK-Verbot und die Kriminalisierung von Kurden anzuschließen.

Kasten:

Demonstrationen gegen das PKK-Verbot am Samstag, 26. November:

Frankfurt am Main, 14 Uhr, Hauptbahnhof
Stuttgart, 14 Uhr, Lautenschlagerstraße
Berlin, 16 Uhr, Warschauer Straße
München, 14 Uhr, Stachus
Hamburg, 16.30 Uhr, Sternschanze

Bankverbindung des Vereins »Städtefreundschaft Frankfurt-Kobani«: LAGG, ein anderes Frankfurt, Volksbank Griesheim e. G., IBAN: DE17 5019 0400 0012 2256 01, BIC: GENODE51FGH, Verwendungszweck: Spende Kobani