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  • Städtefreundschaft Frankfurt – Kobanê e.V. c/o Club Voltaire Kleine Hochstraße 5 60313 Frankfurt am Main
  • Spendenkonto: Frankfurter Volksbank IBAN DE66 5019 0000 6200 9082 42
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Freundschaft mit Kobani – Junge Welt

https://www.jungewelt.de/2016/05-12/016.php?sstr=Kobani

 

Junge Welt, 12.05.2016

Freundschaft mit Kobani

Eine Frankfurter Initiative setzt sich für eine Partnerschaft mit der befreiten kurdischen Stadt ein

Von Gitta Düperthal

 

Der Club Voltaire, jener legendäre Treffpunkt in Frankfurt am Main, in dem seit seiner Gründung 1962 linke Organisationen über gesellschaftliche Veränderungen debattieren, und der Verein »Leben und Arbeiten im Gallus und Griesheim e. V.« (LAGG) haben gemeinsam ein neues Ziel: Für Dienstagabend hatten sie im Club zur Gründung einer Initiative »Städtefreundschaft Kobane– Frankfurt« aufgerufen.

25 Vertreter verschiedener Organisationen und Vereine in der Stadt waren zusammengekommen, um sich dafür einzusetzen: Aktivisten des Dritte-Welt-Hauses, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), des Städtefreundschaftsvereins Frankfurt-Granada/Nicaragua, der »Aktionsgruppe für den Aufbau der dritten Reihe«, von »Tatort Kurdistan« und kurdischer Organisationen wie das Demokratische Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland NAV-Dem, Civaka Azad und der Verband der Studierenden aus Kurdistan YXK. »Wir sind davon angetan, dass die Bevölkerung dort einen Weg des Zusammenlebens gefunden hat, wie wir ihn uns hier wünschen würden – unter widrigsten Umständen und nachdem sie mutig den Islamischen Staat (IS) bekämpft haben«, begründete Lothar Reininger, erster Vorsitzender des Vereins LAGG und zugleich stellvertretender Vorsitzender des Club Voltaire, die Initiative. Die Menschen dort versuchten, über ethnische, religiöse und tradierte Geschlechtervorstellungen hinaus fortschrittliche Projekte gleichberechtigt und in Selbstorganisation umzusetzen. »Jenseits aller staatlichen Möglichkeiten haben insbesondere die Frauen dort starke basisdemokratische Initiative ergriffen«, betonte der Abgeordnete im Hessischen Landtag Ulrich Wilken (Die Linke).

Der von den Kurden befreite Kanton Kobani in Rojava (Nordsyrien) stehe als Symbol für ein anderes Gesellschaftsmodell, nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit; habe deshalb starke Anziehungskraft, waren sich alle einig. Kurden, Araber, Christen, Armenier und Turkmenen beteiligten sich gemeinsam am Aufbau. Die Welt schaue auf die zerstörte Region, weil von dort aus der IS mutig zurückgeschlagen worden sei; aber »im Ränkespiel zwischen Großmächten wie USA, Russland und Europa« würden die Menschen dort allein gelassen, so Reininger. Trotz aller Repressionen, etwa geschlossener Grenzen zur Türkei und zum Nordirak, stellten sie die Kanalisation wieder her, beseitigten Trümmer. Eine Aktivistin der »Stiftung der Freien Frauen in Rojava« habe berichtet, die CDU/CSU/SPD-Bundesregierung habe verdeutlicht, sich für die Bevölkerung dort nicht engagieren zu wollen – obgleich es bekanntermaßen mutige Frauen und Männer aus deren Reihen waren, die die Yesiden vor der Terrormiliz IS gerettet hatten.

Da Konvois von Hilfsorganisationen die Grenzen zu Nordsyrien nicht passieren dürften, beschlossen die Aktivisten im Club, einen gemeinnützigen Verein zu gründen – um zunächst Geld für die Errichtung von Kindereinrichtungen, Frauenzentren und medizinischen Versorgungszentren zu sammeln. Auf Einladung der Linke-Fraktion im hessischen Landtag könnten Aktive aus Rojava einreisen, um zur aktuellen Situation zu referieren, so Wilken. Bislang sei aus Europa im Laufe des vergangenen Jahres dort erst ein Betrag von 200.000 Euro eingegangen, erläuterte Reininger. Weiterhin sei die Städtepartnerschaft des Vereins ein Anfang, um Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zu überzeugen.

Die aktuelle Lage sei zwar schwierig, doch ein Korridor freigekämpft, der den Austausch zwischen den drei kurdischen Kantonen ermögliche. Die Aktivisten fordern, den Zugang zu Rojava über die Grenze in den Nordirak zu öffnen. Sie werben dafür, die Petition der Initiative Tatort Kurdistan an die Kurdische Regionalregierung (KRG) im Nordirak unter dem Präsidenten Masoud Barzanî zu unterzeichnen.

https://www.change.org/p/diwan-krp-org-humanitarian-corridor-for-kobane-and-all-rojava